Reparatur
PORSCHE CARRERA 911

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A scheene Leich

Es gibt immer einen Weg zurück ins Leben: von der geglückten Wiederbelebung eines unsanft abgetretenen 911er G-Modells. Ein Stück in mehreren Akten …

„Gestern hat mi’s Glück verlassen, du liegst am Autofriedhof draußen“ beweinte einst ein in voller Blüte stehender Rainhard Fendrich seine kunstvoll in Stamm und Geäst gefaltete Autoliebe. Ein ganz ähnliches Schicksal ereilte auch den „Herrn Carrera“, der, so wird es zumindest besungen, gegen Fendrichs heißes Eisen dereinst noch die Gurk’n gehabt hätte. Irgendwie war ihm der Aspahlt ausgegangen, dem 86er 911 Carrera. Nichts wäre wohl geschehen, hätte sich der luftgekühlte 3.2-Liter-Boxer auf dem Weg vom Bankett ins Grünland nicht in den spärlich Licht spendenden Laternenmasten verliebt, der da aus dem Nichts ins Bild sprang.

Beim Aufprall ging der stolze Eigentümer auf Tuchfühlung mit der Windschutzscheibe. Und auch den Gesichtszügen des Carrera fehlte es an klaren Linien. Viel zerklüftetes Blech mit groben Falten, bis zum Anschlag ausgeschöpfte Aufpralldämpfer und entsprechend verzogener Rahmen sowie verzogene Bodenplatte – um den Klassiker stand es schlecht.

ZU VIEL BUMS!

Die Aufprallstoßdämpfer konnten die Wucht der einwirkenden Kräfte nicht gänzlich puffern – das Resultat: ein verzogener Rahmen.

„Unsere elektronische Richtbank mit Drei-Achsen-Vermessung schafft die Basis für den Heilungserfolg.“

HIGHTECH
HELFERLEIN

Computergestützte Rahmenvermessung + hydraulische Winkelpresse

Seit einigen Jahren assistiert unseren Technikern in schweren Fällen eine aufwendige elektronische Rahmenvermessung bei der Wiederbelebung. Deren Drei-Achsen-Roboterarm ermöglicht uns bei ZEILER eine Arbeitsweise, wie man sie sonst nur in der Automobilkonstruktion findet. Die automobile „Leich“ – mehr war der 911er wirklich nicht – wird dort eingespannt und mittels vorgegebener Referenzpunkte vermessen und mit den Seriennormen abgeglichen. Dazu fährt der Roboterarm die ihm einprogrammierten Linien ab und zeigt präzise Abweichungen und Sollzustände an. Eine hydraulische Winkelpresse, im Fachjargon liebevoll „Dozer“ genannt, zieht den Rahmen schließlich wieder in Form.

ZUERST
NACKIG MACHEN

Schadensdiagnose

Nicht, dass der Weg bis hierhin unbeschwert gewesen wäre. Mit geradem Rahmen ging es dem Carrera aber erst ans Eingemachte. Um sich ein Bild über den tatsächlichen Schaden zu machen, galt es, die gesamte Front zu zerlegen, Fahrwerk und Leitungen auszubauen, aufzuschleifen, was trügerisch schien. Glück im Unglück, dass der Saugmotor im Heck des Carrera haust. Geduldig brütete das Team gemeinsam mit Teilehändlern über Explosionszeichnungen des G-Modells. Gerade bei Klassikern sind oft nicht die technischen Möglichkeiten, sondern schlichtweg die Verfügbarkeit spezifischer Bauteile der limitierende Faktor. Mit helfenden Händen aus dem Porsche-Händlernetzwerk hatte „unser“ Carrera in dieser Hinsicht das Glück an seiner Seite.

„Originalzustand ist des Sammlers Zauberwort.“

LEIDENSCHAFT KOMMT
VON LEIDEN

Unser Herz schlägt für die Oldies!

Derart aufwendige Instandsetzungen verlangen nach viel Liebe und Leidenschaft und Genauigkeit seitens des Teams. Vollständige Teilelisten ermitteln und um die Verfügbarkeit beten…

Unsere Karosserietechniker quälten sich über Stunden mit der Quadratur des Kreises und der Perfektion der Spaltmaße und schier endlosen Telefonaten mit den Teilelieferanten, die zum Glück höchst kooperativ waren. Dennoch ist der 911 bei Redaktionsschluss noch nicht ausreichend „gschnäuzt und gekampelt“, um sich der Öffentlichkeit zu zeigen.

Wir schwärmen derweil vom makellosen Lack, mit dem der Carrera schließlich aus der Lackierbox rollen wird, von glatterer Haut als bei der Auslieferung im Jahr 1986, von exakten Spaltmaßen, dem Geruch von Benzin und dem unvergleichlichen Boxersound. Der Mythos des luftgekühlten Carreras lebt …

TO BE CONTINUED…